Man wacht morgens auf und fühlt sich wie erschlagen. Aber es ist die angenehme Art von Erschöpfung – die Art, die man versteht und konkret spüren kann. Die Sonne brennt, und es tritt ein, wovon ich zuvor gelesen hatte: Die Mittagshitze wird von den meisten Pilgern gemieden.
So ist der Rhythmus hier ein anderer als auf dem Camino de Madrid oder dem Camino Francés. Man steht früher auf, viele brechen sogar noch im Dunkeln oder mit der Dämmerung auf. Das zeichnet die Via de la Plata unter anderem aus: weite und offene Flächen, die das Auge beruhigen und dem Blick erlauben, weit zu schweifen. Allerdings gibt es nur wenig Schatten.
Ich habe den UV-Index per App verfolgt – spätestens um 10:00 Uhr sollte man sich eingecremt haben (LSF 50). Zudem empfehle ich, den Kopf mit einer Mütze oder einem Hut zu bedecken. Ich selbst bin sehr früh gestartet und habe gleich meine Stirnlampe ausprobiert. Ich kann jedem empfehlen, sich eine für die Via de la Plata zuzulegen. Es ist wesentlich angenehmer, vor Sonnenaufgang bereits 5 bis 10 Kilometer hinter sich zu haben und früh am Nachmittag das Tagesziel zu erreichen.
Von der Hitze einmal abgesehen – es gibt kaum etwas Schöneres, als die Farben eines Sonnenaufgangs in der Weite zu erleben. Besonders fasziniert hat mich, was meine Augen eigentlich leisten können, um sich an die wechselnden Lichtverhältnisse anzupassen. Auch das Gehör wird erstaunlich scharf. Ich verspürte eine gewisse Erleichterung, als die Sonne schließlich den Weg ausleuchtete und ich wusste, dass kein Tier oder sonst etwas Unverhofftes hinter der nächsten Ecke auf mich wartete.
Selten habe ich so viele bunte und unmodische Hüte gesehen. Aber um Mode geht es hier nicht – niemand hat etwas zu beweisen. Es geht um den eigenen Schutz. Ich trage eine Basecap und lasse mein Buff locker über den Nacken fallen. Da wir nach Norden gehen, kommt die Sonne von hinten und scheint direkt auf den Nacken.
Obwohl ich erst einen Tag unterwegs bin, merke ich, dass mir die Weite und die klare Luft sehr guttun. Das Gedankenkarussell im Kopf dreht sich langsamer. Ich habe eine klare Aufgabe: die Strecke bis zur nächsten Unterkunft zu gehen. Dabei teste ich meine Kräfte und gewinne mit jedem Schritt ein Gespür für die Fähigkeiten meines eigenen Körpers zurück.
Langsam kommt man in den Rhythmus. Man grüßt sich, man schaltet ab.
Wunderbar!






You wake up in the morning and feel completely exhausted. But it’s the pleasant kind of exhaustion – the kind you can understand and truly feel. The sun burns down, and what I had read about before is now becoming reality: most pilgrims avoid the midday heat.
So the rhythm here is already different from the Camino de Madrid or the Camino Francés. You get up earlier, and many start walking while it’s still dark or just as dawn breaks. This is one of the characteristics of the Via de la Plata: wide, open landscapes that calm the eyes and allow your gaze to wander far. However, there is little shade.
I’ve been tracking the UV index using an app – and by 10:00 a.m. at the latest, you should have applied sunscreen (SPF 50). I also recommend covering your head with a cap or hat. I started very early myself and tested out my headlamp right away. I can highly recommend getting one if you’re walking the Via de la Plata. It’s much more pleasant to have 5 to 10 kilometers behind you before sunrise and to reach your destination by early afternoon.
Aside from the heat – there’s hardly anything more beautiful than experiencing the colors of a sunrise across open land. I was especially fascinated by what the eyes are actually capable of, how they adapt to changing light conditions. Your hearing also becomes incredibly sharp. I felt a certain sense of relief when the sun finally lit up the path and I knew there wouldn’t be an animal or something else unexpected waiting around the next corner.
I’ve rarely seen so many colorful and unfashionable hats. But fashion isn’t the point here – no one has anything to prove. It’s all about protection. I wear a baseball cap and let my buff hang loosely over the back of my neck. Since we’re walking north, the sun comes from behind and shines directly on your neck.
Even though I’ve only been walking for a day, I can already feel how much the wide-open space and clear air are doing me good. The mental carousel in my head slows down. I have a clear task: to walk the distance to the next accommodation. Along the way, I test my strength and slowly regain a sense of my body’s abilities with every step.
Gradually, you fall into rhythm. You greet others, you switch off.
Wonderful!


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